Chronik der Literatur in der Weimarer Republik – 1923

27. Januar

Die Uraufführung von Hans Gustav Wagners Kriegsdrama „Trotzdem“ am Staatstheater Kassel gerät zu einer patriotischen Kundgebung. „Stehend und in tiefer Bewegung“ singt das Publikum nach der Vorstellung die deutsche Nationalhymne.

22. Februar

In Berlin wird der Film „Erdgeist“ uraufgeführt. Der Regisseur Leopold Jessner hat als Vorlage Frank Wedekinds gleichnamiges Bühnenstück benutzt. Eine der Hauptrollen, die Lulu, spielt Asta Nielsen.

2. März

Im Ullstein Verlag erscheint die Tiergeschichte „Bambi. Eine Lebensgeschichte aus dem Walde“, die Ihren Autoren Felix Salten weltbekannt macht.

16. März

Das Schauspiel „Der Unbestechliche“ von Hugo von Hofmannsthal wird im Wiener Raimund-Theater uraufgeführt.

18. März

„Olympia“, ein Drama von Ernst Weiß, wird im Charlottenburger Renaissance-Theater (Junge Bühne) in Berlin uraufgeführt.

1. April

Thomas Mann befindet sich auf einer Vortragsreise über “Okkulte Erlebnisse”, die ihn von Wien über Budapest nach Prag führt.

25. April

Das satirische Mappenwerk „Ecce homo“ des Malers und Graphikers George Grosz wird wegen angeblich unzüchtiger Darstellungen in Berlin beschlagnahmt.

27. April

Im Internationalen Psychoanalytischen Verlag erscheint “Das Ich und das Es” des Österreichers Sigmund Freud. Dieses Werk hat eine grundlegende Bedeutung für die psychologische Forschung des 20. Jahrhunderts.

9. Mai

Inszeniert von Erich Engel wird Bertolt Brechts “Im Dickicht der Städte”, ein Drama in zehn Bildern, im Münchener Residenztheater uraufgeführt. Massive Proteste sorgen für die Entlassung des Dramaturgen Jakob Geis und die rasche Absetzung des Stücks, das nur sechsmal aufgeführt wird.

17. Mai

Im Cassirer Verlag erscheint „Geist der Utopie“ von Ernst Bloch.

23. Mai

„Der arme Vetter” von Ernst Barlach hat in der Inszenierung von Jürgen Fehling Premiere im Staatstheater zu Berlin. Nur einen Tag später erntet die Premiere von Barlachs Drama „Der tote Tag“ an der Berliner Volksbühne Begeisterungsstürme vom Publikum.

17. Juni

In Donaueschingen wird Paul Hindemiths „Das Marienleben“, ein Liederzyklus nach der Dichtung Rainer Maria Rilkes, uraufgeführt.

4. Juli

Ricarda Huchs „Bakunin und die Anarchie“ erscheint im Insel-Verlag.

7. August

Auf dem Leipziger Gewerkschaftsfest wird Ernst Tollers Massenspiel „Krieg und Frieden“ aufgeführt.

11. August

Erstmals wird einer der wichtigsten deutschen Literaturpreise, der Georg-Bücher-Preis, verliehen.

24. August

In der Inszenierung von Arnolt Bronnen und Bertolt Brecht wird Hans Henny Jahnns Drama „Pastor Ephraim Magnus“ in Berlin uraufgeführt.

31. August

Der von Gerhard Lamprecht an Originalschauplätzen in Lübeck gedrehte Film “Die Buddenbroocks” – nach dem gleichnamigen Roman von Thomas Mann – wird im Tauentzienpalast (Berlin) uraufgeführt.

22. September

Georg Brittings Komödie „Die Stubenfliege“ wird im Münchner Residenztheater uraufgeführt.

27. September

Im Berliner Marmorhaus wird der Film „Mutter, Dein Kind ruft“ uraufgeführt. Es handelt sich um die Verfilmung der Novelle „Das brennende Geheimnis“ von Stefan Zweig.

6. Oktober

Heinrich Mann appelliert an Reichskanzler Gustav Stresemann, eine Diktatur des Rechts und der Vernunft zu errichten: „Beugen Sie doch vor! Die deutsche Tragik vollzieht sich immer auf Grund versäumter Gelegenheiten. Die soziale Demokratie soll endlich gewappnet und als Rächer dastehen.“

3. November

Im Lustspielhaus Berlin wird Georg Kaisers Volksstück „Nebeneinander“ in der Inszenierung von Berthold Viertel uraufgeführt.

4. November

Robert Musil wird der Kleistpreis zuerkannt.

6. November

In den Hamburger Kammerspielen wird Carl Sternheims Drama „Das Fossil“ uraufgeführt.

13. November

Carl Haensels Stück „Menschen ohne Tragödie“ wird am Stadttheater Heidelberg uraufgeführt.

6. Dezember

Hans Falladas Roman „Anton und Gerda“ erscheint im Rowohlt Verlag.

8. Dezember

Die Uraufführung von Bertolt Brechts Stück „Baal“ am Leipziger Alten Theater löst einen Skandal aus. Das Drama wird auf Drängen des Oberbürgermeisters abgesetzt.

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