Wer äußert sich in der „Vossischen Zeitung“ zu dem Roman? Aus welcher Perspektive erzählt Molnár? Warum sollten auch Erwachsene den Jugendroman lesen?
„Mein Gott, ich habe selten so gelacht und so geschluchzt wie bei der Lektüre dieses kostbaren Buches“, äußert sich Hans Reimann in der „Vossischen Zeitung“, Ausgabe vom 18. März 1928, über Franz Molnárs Jugendroman „Die Jungen der Paulstrasse“. Auch Friedrich Torberg begeistert sich: „Franz Molnar bleibt unvergessen als Schöpfer einer der zauberhaftesten Geschichten, die jemals das schmerzlich-zarte Zwielicht aus Kinderwelt und Knabenseele eingefangen haben.“
Ein Buch, das in Ungarn jedes Kind kannte: es war seinerzeit Pflichtlektüre in den ungarischen Volksschulen.
In Ungarn erstmals in Buchform 1907 veröffentlicht, erscheint der Roman 1910 in Deutschland und erfährt zahlreiche Nachauflagen.
Was auf den ersten Blick wie eine harmlose Jungengeschichte wirkt, entfaltet sich schnell als erstaunlich ernsthafte Erzählung: Zwei Banden liefern sich einen erbitterten Kampf um einen verlassenen Bauplatz in Budapest.
Doch es geht um mehr als Revierstreitigkeiten. Es geht um Ehre, Loyalität, Mut und Verrat. Und im Zentrum steht der kleine, oft übersehene Nemecsek, der schwächste der Gruppe und zugleich ihr moralischer Kern.
Molnár gelingt etwas Seltenes: Er erzählt aus der Perspektive von Kindern, ohne jemals kindisch zu werden.
Dieser Roman ist kein nostalgisches Kinderbuch. Er ist ein präziser Blick auf das, was Menschen, ob jung oder alt, zusammenhält und auseinanderreißt. Wer sich für Literatur der Weimarer Republik interessiert, entdeckt hier einen Text, der über seine Zeit hinausweist.